Chronische Schmerzen sind kein unabänderliches Schicksal, sondern eine Information; ein Hinweis des menschlichen Systems auf etwas Veränderbares.
Jeder Mensch erlebt hin und wieder Schmerzen. Wenn sie chronisch geworden sind, handelt es sich um Phänome jenseits von strukturellen und organischen Ursachen.
Vielleicht sind Sie selbst betroffen von chronischen Schmerzen oder kennen jemanden, der damit lebt.
Sie sind nicht allein.
Die Zahl der Betroffenen steigt jedes Jahr kontinuierlich an. Die Deutsche Schmerzgesellschaft spricht mittlerweile von rund 23 Millionen Menschen, die deutschlandweit davon betroffen sind.
Allein die durch Rückenschmerzen verursachten jährlichen Kosten für Behandlung, Medikamente und Rehabilitation (sowie indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit oder vorzeitige Verrentung) belaufen sich laut Bundestag auf bis zu 38 Milliarden Euro pro Jahr.
Von Kopfschmerzen sind in Deutschland etwa 54 Millionen betroffen, von Migräne etwa 18 Millionen, davon ca. 6-8% Kinder. Von den jährlich über drei Milliarden Schmerzmittel-Einzeldosen werden 85% aufgrund von Kopfschmerzen eingenommen.
Schmerzen werden als chronisch bezeichnet, wenn sie länger als 3 bis 6 Monate anhalten oder immer wieder erscheinen. Kopfschmerzen bzw. Migräne gelten als chronisch, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten. Bei chronischen Schmerzen liegt keine organische oder strukturelle Ursache vor, die das Leiden vollständig erklären kann.
Neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung weisen darauf hin, dass chronischer Schmerz nicht das ist, was landläufig viele Betroffene und auch Behandelnde denken, nämlich: ein Zustand, mit dem man sich für den Rest seines Lebens arrangieren muss.
Chronische Schmerzen sind komplex, aber kein unüberwindbares Schicksal.
Die Odyssee
Viele kennen das nur zu gut: beharrliche oder wiederkehrende Schmerzen und der Kampf, sie loszuwerden.
Sie gehen zum Hausarzt oder zur Hausärztin und erhalten Rezepte für Medikamente, Salben oder ähnliches. Sie wenden sie wie vorgeschrieben an und sie helfen - vorerst. Oder auch nicht und die Schmerzen kehren zurück – manchmal nach Tagen oder Wochen und manchmal bleiben sie bestehen.
Weitere Medikamente werden ausprobiert, Termine für Physiotherapie und Folgeuntersuchungen bei Spezialisten werden vereinbart. Diese Termine erfordern Zeit und Mühe, aber das bekommen Sie schon hin. Sie recherchieren im Internet, wechseln Matratzen, schaffen spezielle Kopf- oder Sitzkissen an, vermeiden bestimmte Aktivitäten.
Trotz Behandlung und Eigeninitiative bleibt die Unsicherheit: Werden diese Maßnahmen endlich helfen? Die Diagnosen reichen von Alters- und Verschleißerscheinungen über Knorpel- und Sehnenschäden bis hin zu operationsbedürftigen Maßnahmen bei anhaltenden Problemen.
Mit jeder neuen Maßnahme verbindet sich die Hoffnung auf Besserung. Wieviel Zeit, Aufwand und Kosten haben Sie bereits investiert? Welche Zukunftsaussichten treiben Sie um?
Und letztlich: Ihre Enttäuschung ist groß, wenn zusätzlich oder anstelle der ursprünglichen Schmerzen plötzlich neue Beschwerden an anderen Körperstellen auftreten.

Bei Menschen die unter Migräne leiden, ist selbst die beschwerdefreie Zeit keine Phase der Entspannung, denn die Angst vor der nächsten Attacke begleitet unterschwellig den Alltag. Vor der Migräne-Diagnose werden Unverträglichkeiten getestet, umfassende neurologische Untersuchungen durchgeführt und Wirkstoffe zur Schmerzlinderung bzw. Betablocker, CGRP- oder Botox-Spritzen zur Prophylaxe eingesetzt. Doch Nebenwirkungen sind keine Seltenheit, die Wirksamkeit ist zeitlich oft begrenzt und Abhängigkeiten sind nicht ausgeschlossen.
Migräne zählt, ebenso wie Rücken- und Gelenkschmerzen, zu den chronischen Erkrankungen.
Diagnose Chronifizierung

Chronische Schmerzen sind mehr als nur ein Symptom. Sie werden mittlerweile als klassifizierte Erkrankung anerkannt und in der ICD-11 als separate Kategorie aufgeführt.
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO, die das Diagnosehandbuch „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 11. Auflage, 2022 (ICD-11) herausgibt, zählen beispielsweise Fibromyalgie, Kopfschmerzen, Migräne, Reizdarm oder myofaszinale Syndrome wie Rückenschmerzen und Gelenkprobleme dazu.
Chronische Schmerzen werden also nicht mehr als Beiprodukt anderer Erkrankungen, sondern als eigenständige Diagnose betrachtet.
Akut oder chronisch?
Das Konzept von SCHMERZVERKEHRT unterscheidet zwischen akuten und chronischen Schmerzen.
Akute Schmerzen werden durch Verletzungen hervorgerufen, wie z.B. Schnittwunden, Knochenbrüche, Organschäden aufgrund äußerer Einwirkungen. Die daraus resultierenden Schmerzen sind ein zeitlich begrenztes Warnsignal des menschlichen Organismus und darauf ausgerichtet, die Wunde zu versorgen bzw. zu schonen.
Chronifizierte Schmerzen hingegen lassen "verkehrter"-weise glauben, sie seien ebenfalls struktureller Natur, denn sie fühlen sich exakt genauso an. Auch sie sind ein Warnhinweis, jedoch nicht auf eine körperliche Verletzung, sondern auf ein irritiertes, aus dem Takt geratenes Zusammenspiel zwischen Körper und Nervensystem. Das Erleben von chronischen Schmerzen unterliegt der fehlerhaften und unzutreffenden Annahme, sie könnten mit denselben Mitteln, Medikamenten und Therapiemaßnahmen behandelt werden wie der akute Schmerz.
Dem ist nicht so.
Dies ist der Grund dafür, warum herkömmliche Behandlungen auf lange Sicht unwirksam sind.

Symptome
Chronische Schmerzen können sich auf vielfältige Art und Weise im und am Körper zeigen. Nachfolgend finden Sie eine unvollständige Auflistung der häufigsten Beschwerden.

Leiden Sie unter einem oder mehreren dieser Symptome?
- Gelenkschmerzen (Rücken, Knie, Hand usw.)
- Nacken- und Schulterschmerzen
- Kopfschmerzen und Migräne
- Ein- und Durchschlafschwierigkeiten
- Kribbeln und Taubheitsempfinden
- Magen-Darm-Beschwerden (Reizdarm, Gastritis usw.)
- Tinnitus und Ohrgeräusche
- Hauterkrankungen (Ekzeme, Schuppenflechte usw.)
- Schwindel
- Unruhe und Angstzustände
- Restless-Legs-Syndrom
